Überfischung auf den eigenen Meeren hat die Europäische Union in den 1980er Jahren bewogen, auf andere Fischgründe auszuweichen. Außergewöhnlich reiche Fischgründe bot die nahe Küste Westafrikas. Die Erweiterung  nationaler Küstenzonen auf 200 Seemeilen machte es erforderlich, Verträge mit den Anrainerstaaten abzuschießen.

60 Prozent (6 Millionen Tonnen) des Fischkonsums in Europa  stammen aus Beständen außerhalb der EU – und davon ein Großteil aus Gewässern von „Entwicklungsländern“ . Vielfach handelt es sich um Fanggründe, von denen Millionen Kleinfischer und ihre Familien leben und die die Hauptproteinquelle für rund eine Milliarde Menschen sind.

Vielfach handelt es sich um Fanggründe, von denen Millionen Kleinfischer und ihre Familien leben und die die Hauptproteinquelle für rund eine Milliarde Menschen sind. Die 1,5 Millionen westafrikanischer Kleinfischer etwa können immer weniger Fisch fangen oder müssen immer länger und immer weiter hinausfahren und deshalb immer mehr  Geld für Treibstoff, Lohnkosten usw. ausgeben.

Zwar hat sich die Gesamtmenge, die gefangen wird (einschließlich der industriellen ausländischen Fischerei) seit 1990 auf nunmehr 800.000 Tonnen verdoppelt. Der von den Kleinfischern gefangene Fisch ist aber immer jünger und kleiner. Die Frauen, die den Fisch verarbeiten und vertreiben, können nicht mehr genug wertvolle Fische verkaufen und geraten in eine Verschuldungsspirale, in die alle einbezogen sind.  Die Folgen sind eine rapide zunehmende Armut in den Fischerdörfern, das Abwandern der jungen Männer in die Slums der Großstädte, kaum existierende schulische oder medizinische Einrichtungen.

Allerdings sind die Existenzbedingungen der Kleinfischer Westafrikas längst unter sehr unterschiedlich.

In Ländern wie Ghana, Senegal, Guinea und Mauretanien sind die Boote der Kleinfischer motorisiert und es fahren 15-20 Mann mit. Sie können bis zu einer Woche auf See sein und haben Kühlbehälter dabei. Daneben gibt es es die wirklich traditionelle Fischerei auf Einbäumen, die man z.B. noch in

Guinea-Bissao antrifft. Da sind bis zu zwei Fischer sehr nahe an der Küste unterwegs. Und viele Fischer in den kleineren Küstenstaaten, wie Togo, Benin, Gambia, Liberia beschweren sich auch über ihre Kollegen, dass sie illegal in ihre Gewässer eindringen.

In Senegal, Guinea und Ghana steigen immer mehr ehemaligen Bauern auf Kleinfischerei um, die sich gegen die Konkurrenz industriell hergestellter Nahrungsmittel nicht mehr behaupten können.  So fahren immer mehr Boote mit wenigen Fischern und vielen jungen Hilfskräften aufs Meer hinaus, bevor sie in letztendlich in den Slums der Städte landen oder die illegale Flucht nach Europa versuchen.

Quelle: http://www.forum-ue.de/fileadmin/userupload/rundbriefe/201003.pdf

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