Jahrelang wurden im EU-Ministerrat Fangquoten oberhalb der biologisch gebotenen Grenzen festgelegt – in den letzten Jahren durchschnittlich 34. Prozent über den wissenschaftlichen Empfehlungen. Die Folge war ein drastischer Rückgang der ehemals reichen Fischbestände. Eine für 2012 geplante Reform der EU Fischereipolitik eröffnet die Chance, umzusteuern.

72% der europäischen Fischbestände gelten als überfischt. Der Fortbestand von 20% ist gefährdet. Zugleich steigt der Fischkonsum. Die Preise bleiben trotzdem stabil, weil die Fangflotten längst außerhalb Europas unterwegs sind und die EU immer mehr Fisch importiert. Mehr als die Hälfte des EU-Bedarfs an Fisch wird inzwischen durch Einfuhren gedeckt.

So exportiert die EU das Problem der Überfischung. Darauf macht der „fish dependance day“ aufmerksam. An diesem Tag wären die eigenen jährlichen Fischreserven erschöpft. EU-weit fällt dieser Tag derzeit auf den 9. Juli. Deutschland wäre Deutschland bereits ab dem 5. Mai auf importierten Fisch angewiesen.

Die Überfischung verstößt nicht nur gegen die eigenen Regeln der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der EU. Sie verletzt auch internationale Verpflichtungen wie dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen.

Bis Ende 2012 muss die Europäische Union eine Reform ihrer Fischereipolitik beschließen. Schon 2013 sollen die neuen Regeln in Kraft treten. Umweltverbände fordern, die Überfischung zu stoppen und Umweltbelange bei fischereipolitischen Entscheidungen den Vorrang einzuräumen. Denn ohne gesunde Meeresökosysteme und Fischbestände kann es keinen nachhaltig stabilen Fischereisektor geben und keine globale Lebensmittelsicherheit.

Eine Reform der EU Fischereipolitik müsste die folgenden Probleme angehen:

  • Flotten, die mehr Fisch fangen können, als verfügbar ist
  • Mangelnde Transparenz von Entscheidungsprozessen
  • die Nichteinhaltung rechtlicher Vorschriften durch die Fischer
  • Politische Kurzsichtigkeit

Eine der wichtigsten Forderungen der Umweltverbände zur Reform der GFP lautet, Umweltziele als Voraussetzung für das Erfüllen wirtschaftlichen  sozialer Ziele zu verankern. Hoffen lässt EU-Fischereikommissarin Damanaki, die mit Nachdruck erklärt, dass die Wissenschaft künftig die verbindliche Grundlage für die Festlegung von Fangmengen liefern soll. In ihrem Grünbuch zur GFP-Reform regte die EU-Kommission  an, ökologischen Bedingungen in der europäischen Fischerei Vorrang einzuräumen, damit sich überfischte Bestände erholen können.

Selbst im Positionspapier der Bundesregierung zur Reform heißt es an einer Stelle:„Die ökologische Nachhaltigkeit ist eine Grundbedingung für die wirtschaftliche  und soziale Zukunft der europäischen Fischerei.“

OCEAN2012, ein Zusammenschluss von europaweit über 90 Organisationen der Bereiche Umwelt & Entwicklung, aber auch Organisationen von Fischern und Tauchern, streitet dafür, dass aus solcherart Absichtserklärungen eine andere europäische Fischereipolitik wird, die Überfischung und zerstörerische Fangmethoden beendet. So soll der Zugang zu Fischereien an ökologische Kriterien gekoppelt werden, wie etwa an die Verwendung von Fanggeräten, welche schädliche Auswirkungen auf die Meeresumwelt minimieren. Öffentliche Mittel sollen ausschließlich für den Übergang zu einer nachhaltigen Fischerei und für die Wiederherstellung der Bestände eingesetzt, Subventionen, die negative Auswirkungen der Fischerei auf die Umwelt herbeiführen oder verstärken, abgeschafft werden

Quelle:  Rundbrief des Forums Umwelt & Entwicklung Nr. III/2010