Frische Hühnchenbrust wird zu hohen Preisen von ca. fünf bis neun Euro/kg auf dem deutschen Markt verkauft; darüber »amortisiert« sich die Gefl ügelproduktion40. Die restlichen Teile wie Flügel oder Hälse werden gefroren und quasi als Abfallprodukte und zu Dumpingpreisen von nur 0,70 Euro/kg exportiert, zum Beispiel nach Kamerun. Dort hat der Beitritt Kameruns zur WTO im Jahr 1995 eine Senkung der Zölle auf Fleischimporte von 80 auf 20 Prozent bewirkt. In der Folge stiegen die Importe der Geflügelabfallprodukte binnen zehn Jahren um das Vierhundertfache an, drei Viertel davon stammten aus der EU.

Die Importe haben inzwischen die Kameruner Geflügelproduktion vom Markt verdrängt. Seitdem gingen rund 120 000 Arbeitsplätze verloren, und viele Kleinproduzenten und ihre Familien kämpfen um ihr Überleben. Die schwer kontrollierbare Kühlkette in den Tropen stellt zudem eine Gesundheitsbedrohung für die Bevölkerung dar; Stichprobenkontrollen zeigten, dass 84 Prozent der untersuchten Hähnchenteile für den menschlichen Verzehr ungeeignet waren.

Doch 2004  gelang zum Glück die Wende: Die Kameruner Bürgerrechtsbewegung Association Citoyenne de Défense des Intérêts Collectifs (ACDIC) startete eine Kampagne gegen die »Hühner des Todes«, die von einem breiten Bündnis von Organisationen in Europa unterstützt wurde. Der Druck auf die Politiker in Kamerun stieg, bis schließlich die Regierung im Jahre 2005 ein System von höheren Zöllen einführte und die Mehrwertsteuer für die einheimische Geflügelproduktion abschaffte.

Heute wird der größte Teil des Kameruner Geflügelbedarfs wieder im eigenen Land erzeugt. Unsicherheit bleibt jedoch, denn die höheren Zölle sind nicht konform mit WTO-Regeln.

Aus „Zukunftsfähiges Hamburg“ eine Studie des Wuppertalinstituts

Soweit ist man in Ghana noch nicht