Taz vom 05.12.2010

Etwa 80 Eritreer werden seit einem Monat von ägyptischen Menschenhändlern unter unmenschlichen Bedingungen auf der Sinai-Halbinsel gefangen gehalten. Sechs der Flüchtlinge sollen in den letzten Tagen von ihren Bewachern ermordet worden sein.Bekannt wurde der Fall durch Telefonate einiger der Gefangenen mit dem in Rom tätigen eritreischen Priester Mussie Zenai. Die Flüchtlinge berichteten, sie hätten zunächst versucht, von Libyen aus nach Italien zu gelangen. Angesichts der rigiden Abschottungspolitik sei dieser Anlauf jedoch gescheitert. Nach wochenlanger Haft in Libyen seien sie schließlich freigelassen worden.

Schlepper hätten daraufhin der Gruppe zugesagt, sie gegen die Zahlung von 2.000 Dollar pro Kopf über Ägypten nach Israel zu bringen. Kurz vor der israelischen Grenze seien die Eritreer dann jedoch in Gefangenschaft genommen worden. In den Telefonaten hieß es, sie befänden sich angekettet in einen engen Raum gesperrt, erhielten winzige Essensrationen und salziges Wasser.

Die Entführer forderten pro Kopf weitere 8.000 Dollar für die Freilassung, anderenfalls würden die Gefangenen umgebracht. In der letzten Woche dann hätten sich die Ereignisse dramatisch zugespitzt. Drei Flüchtlinge seien einfach erschossen worden, weitere drei seien nach einem Fluchtversuch mit Knüppeln erschlagen worden. Zahlreiche Personen, darunter schwangere Frauen, seien verletzt.

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