Wohlhabende Staaten, Konzerne und Investmentgesellschaften sichern sich derzeit Ländereien in Afrika, Asien und Lateinamerika. Zwischen 2006 und 2009 wurden hier nach Schätzungen zwischen 22 und 50 Millionen Hektar Land an ausländische Investoren veräußert. Zum Vergleich: Die Ackerfläche der gesamten Europäischen Union beträgt etwa 97 Millionen Hektar. Drei Viertel davon liegen in Afrika. Neben Nahrungsmitteln für den Export sollen auch Tierfutter und Energiepflanzen angebaut werden.

Die Vertragsdetails unterliegen fast immer der Schweigepflicht. Transparenz und Mitbestimmung der betroffenen Bevölkerung sind damit ausgeschlossen. In Kenia beispielsweise teilte der Verantwortliche für Ernährungsprogramme mit, dass der Inhalt eines Vertrags mit dem Emirat Katar über 40.000 Hektar Land im Tana-Delta nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei. Die lokale Bevölkerung wehrt sich gegen diesen Deal – bis heute ohne Erfolg.

Die Verträge binden oft einseitig die Regierungen vor Ort. Ausstiegs- oder Verlängerungsklauseln können nur von den Investoren wahrgenommen werden. Bei Vertragsverstößen drohen Regressforderungen auf der Grundlage eines harten internationalen Investitionsrechts. Dieses parallele Rechtssystem unterhöhlt nicht selten die nationale Verfassung und behindert die Durchsetzung international eingegangener menschenrechtlicher Verpflichtungen, wie den Zugang zu Land und Wasser von marginalisierten ländlichen Gruppen zu schützen und aktiv zu verbessern.

Quelle: http://www.brot-fuer-die-welt.de/downloads/presse/fian_fact_sheet2010-1_landgrabbing_screen.pdf