Wohlhabende Staaten, Konzerne und Investmentgesellschaften sichern sich derzeit Ländereien in Afrika, Asien und Lateinamerika. Zwischen 2006 und 2009 wurden hier nach Schätzungen zwischen 22 und 50 Millionen Hektar Land an ausländische Investoren veräußert. Zum Vergleich: Die Ackerfläche der gesamten Europäischen Union beträgt etwa 97 Millionen Hektar. Drei Viertel davon liegen in Afrika. Neben Nahrungsmitteln für den Export sollen auch Tierfutter und Energiepflanzen angebaut werden..

Ziel ist die Ernährungs- oder Energiesicherung in den Ländern,  deren Regierungen oder Investmentfonds in Land auf fremden Staatsgebieten investieren (auch Offshore Farming genannt). Beweggründe für diese Umorientierung waren  Preisanstiege bei Grundnahrungsmitteln, temporär verhängte Exportstopps, ein hoher Ölpreis und der damit verbundene Ausbau der Agrartreibstoffproduktion.

Viele Zielländer von Investoren wie Madagaskar, Kenia oder die Philippinen müssen heute schon umfangreich Nahrungsmittel importieren. Insgesamt haben 43 der 53 afrikanischen Länder heute ein Nahrungsmitteldefizit, welches sie durch Importe ausgleichen müssen.

Innerhalb von zwei Jahren stiegen die Ausgaben der afrikanischen Länder allein für Getreideimporte um 130 Prozent (Tab.). Die Zahl der Hungernden stieg 2009 trotz Rekordernten auf 1,02 Mrd. Menschen an.

2005/6 2006/7 2007/8

2008/9

Afrika 8.293 10.417 19.112 14.503
Asien 7.831 11.971 17.335 14.804
Europa 9 10 123 35
LIFDC 16.492 22.882 37.571 29.945
 

Aufwendungen für den Getreideimport in Mio US Dollar

In Sierra Leone wird derzeit über die Verpachtung von Land 15.000 km² Ackerland (Das ist etwa das 17 fache der Fläche Berlins) an ausländische Agrokonzerne verhandelt. Der Schweizer Bioenergie-Konzern ADDAX hat bereits für mindestens 50 Jahre 10.000 Hektar Land für die Produktion von Ethanol aus Zuckerrohr gepachtet.

Dieses Land ernährt bisher 17.000 Menschen durch dort angebauten Reis, Maniok und Gemüse. Trotz versprochener Ausgleichszahlungen und Unterstützung für die betroffenen Dörfer gibt es immer mehr Fälle, in denen Bauern sich um ihr Überleben sorgen. Und es mehren sich die Zweifel:

Ist Land, das nach so langem Bürgerkrieg seine Nahrungsmittelproduktion erst wieder aufbauen muss, und in dem das Land knapp ist, geeignet, um es für den Energiebedarf der Industrieländer zur Verfügung zu stellen?

Quellen: http://www.fian-berlin.de/

http://www.brot-fuer-die-welt.de/downloads/presse/fian_fact_sheet2010-1_landgrabbing_screen.pdf

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