50 Menschen waren zum Süd-Nord Dialog über Beweggründe zur Migration und zum Bleiben in die Heilandskirche gekommen.

Nachdem Christel Gbaguidi durch die Ausstellung geführt und deren Entstehung und Perspektive erläutert hatte, sie soll auch in Zukunft wieder auch in Deutschland zu sehen sein, folgten die Veranstaltungsgäste seiner Bitte, den Eindruck des Gesehenen nachwirken zu lassen und den zu Tode gekommenen Afrikaflüchtlingen eine Minute des Schweigens zu widmen.

Michael Rannenberg, langjähriger Pfarrer der Gemeinde und Mentor des Ausstellungsprogramms der dortigen „Kultur-Kirche“, nannte die Politik Europas gegenüber den Flüchtlingen in einer sehr persönlichen Ansprache ein „schreiendes Unrecht“. Man würde damit die Geschichte der Kolonisierung Afrikas fortsetzen, bei der leider auch die christlichen Kirchen eine unrühmliche Rolle gespielt hatten. Rannenberg nannte es beschämend, wie das reiche Europa, das sich „christliches Abendland“ nennen würde und so stolz auf seine Menschenrechtstradition sei, mit denen umspringt, die nicht zuletzt auch deshalb auf ein besseres Leben in Europa hofften, weil Europas Wirtschaft den Kontinent nach wie vor ausbeute.

Mekonnen Mesghena, in der Heinrich Böll Stiftung für den Themenbereich Migration zuständig, wie auch Jens-Uwe Thomas vom Berliner Flüchtlingsrat und Lucia Muriel von der Organisation MoveGlobal betonten die Bedeutung einer mitmenschlichen Sicht auf die einzelnen Schicksale, die sich hinter den statistischen Zahlen verbergen.

Muriel wies auf die großen Verdienste der Migrantinnen und Migranten hin, ohne die es in bestimmten Branchen wie etwa dem Pflegebereich recht übel aussehen würde. Die privaten Überweisungen vieler Einwanderer/innen würde die offizielle Entwicklungshilfe um ein Vielfaches übertreffen. Die augenblickliche Debatte um angeblich „integrationsunwillige Ausländer“ nannte sie deshalb verletzend und ungerecht. Es sei für sehr viele Menschen eine große Enttäuschung.

Dass ein offeneres Grenzregime eine nicht zu bewältigende Anzahl Armutsflüchtlinge anzöge sei nicht zu erwarten. Auch heute würde nur ein sehr kleiner Teil der Menschen, die ihre Heimat verlassen (müssen), versuchen, nach Europa zu gelangen. Die meisten zieht es in Nachbarländer oder in andere Landesteile.

Die Beweggründe zu gehen seien vielfältig. Die einen seien neugierig und suchen als moderne Weltbürger nach dem Neuen, Unbekannten. Andere suchen gezielt nach besseren Startchancen für ihre Familie, wieder andere entfliehen einer unerträglichen Lebenssituation oder auch politischer Verfolgung. All diese Gründe seien zu respektieren und man solle keine Hierarchie in der Bewertung der Fluchtgründe vornehmen.

Die brutale Abschottungspolitik müsse ein Ende finden. Das war einhellige Meinung. Sie verstoße in vielerlei Hinsicht gegen geltende Grundrechte und internationale Vereinbarungen wie etwa die Flüchtlingskonvention.

Eine großartige Kampagne für ein Ende des brutalen Grenzregimes stellte am Ende Jens-Uwe Thomas vor:

Jugendliche ohne Grenzen, der Berliner Flüchtlingsrat, das Gripstheater , Pro Asyl und andere haben die Kampagne „SOS für Human Rights“ gestartet. Es gibt einen gleichnamigen Appell. Und das Gripstheater hat ein aufrüttelndes Stück entwickeln mit dem sie derzeit auf Tournee ist.

Hans-Hermann Hirschelmann

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Nachtrag aus Sicht der Veranstalter: Wir hatten – im Angesicht der augenblicklichen Sarrazinaden – bewusst darauf verzichtet, auf Teufel komm raus Kontroversen anzuzetteln. Die Veranstaltung verlief entsprechend harmonisch. Zu harmonisch? Was bedeutete es, dass knapp 10 Personen die Veranstaltung vorzeitig verlassen hatten? Ein Veranstaltungsgast bemängelte, dass er zu wenig Neues erfahren habe über die aktuelle Entwicklung an den Grenzen, die Rücknahmeabkommen usw.

Im Nachhinein müssen wir gestehen, dass eine Diskussion mit politischen Verantwortungsträgern vielleicht einen größeren Anreiz geboten hätte, sehr hart an den aktuelle politischen Streitpunkten entlang zu diskutieren, die auf eine unmittelbare Wirksamkeit zielen.

Dies soll im Rahmen des Blogs nachgeholt werden.

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