Ein kecker Vogel, der sich auf  der Plane über einen Wochenmarkt-Stand an etwas  zu schaffen machte, ließ mich unlängst innehalten. Die Art, wie er den Besucherstrom beobachtete, hatte etwas putziges. Erstaunlich, wie er sich immer wieder mitten zwischen die Füße der Vorbeischlendernden stürzte und dort unbekümmert kreuz und quer  flitzte. Sein spitzer Schnabel, weiß gepunktetes Gefieder und auch die Art, wie er sich am Boden bewegte, machten schnell klar: Ein Star!

Ein Star? Jetzt? Hier? Und ganz alleine? In Berlin sind Stare keine Seltenheit. Im Sommer suchen allein über 4000 von ihnen täglich ihre Schlafbäume am Berliner Dom auf und ziehen die Aufmerksamkeit von Touristen,  Fotografen, wissenschaftlich Neugierigen oder romantisch Gestimmten an. Aber der hier war allein. Es war der 31. Oktober. Eine vorbei ziehenden Marktbesucherin rief denn auch erstaunt: „Na sowas! Solltest du nicht schon lange weg sein?“

Nunja, der Klimawandel! Oder?

Tatsächlich sind Stare aber schon seit Gedenken Teilzieher. Etwa 8 Prozent bleiben. Wahr ist aber auch, dass immer mehr Zugvögel, Teilzieher werden und immer mehr Teilzieher ganz bleiben weil sich die Klimazonen langsam verschieben.

Durch eine Überentwicklung industrieller Produktion ausgelöste Erwärmung der Erdatmosphäre gehört längst auch für viele Menschen zu den Beweggründen zur Migration. Ein steigender Meersspiegel, Versauerung der Meere und zunehmende Wetterextreme verstärken in der Regel bereits bestehende Probleme der Übernutzung und tieben diese Probleme auf die gefährliche Spitze.

Die Reaktion derer, die sich für humanere Betrachtungen und Perspektiven von Vertreibung, Flucht, Migration oder Bleiben einsetzen, mögen diesen Hinweis meist nicht.   Und in der Tat ist die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, dass ungewollte die Botschaft herüber käme, dass es für eine raschen Veränderung der beschämenden Abschottungspolitik Europas gegenüber Flüchtlinge und Enwanderern nicht ausreichend starke Argumente gäbe.

Mit offenen Karten – Klimaflüchtlinge

So brachte eine Schülerin während einer Publikumsdiskussion im Anschluss der Aufführung eines Theaterstücks zur „Festung Europa“ (Ergebnis eines 3-tägigen Theaterworkshops der Kampagne SOS for Human Rights, ) auf einen entstrechenden Hinweis ihre Sorge zum Ausdruck, dass die sowieso schon sehr große Aufmerksamkeit   für den „Klimawandel“ den Blick auf die Arbeit an humane Perspektive von Migration überstrahlen könnte. Also ihrer Sache eher schaden könnte.

Tatsächlich sind auch die Beweggründe zum Gehen und zum Bleiben immer sehr vielfältig und meist sehr subjektiv. Und sie sind immer auch  der Versuch, sich gegen äußere Umständen zu stemmen und auf diese Weise die eigene Würde zu behaupten. So gruselig und bekämpfenswürdigkeit der Begriff „Opfer“ im akuten jugendlichen Mobbingdiskurs auch ist. Er bringt auf seine krude und gemeine Weise zum Ausdruck, dass „Opfer“ zu sein ein würdeloser Zustand ist.

Das muss bedenken, wer auf die europäische Verantwortung für die Zerstörung von Existenzgrundlagen weltweit aufmerksam macht, auf die skandalöse und sinnlose Abschottungspolitik gegenüber denen, die in ihrer alten Heimat keine Perspektive mehr sehen,  und wer schließlich auf die Durchsetzung weltweiter Klimagerechtigkeit pocht und darauf, dass die Fortsetzung des Kolonialismus mit marktwirtschaftlichen Mitteln endlich ein Ende findet.

Andererseits müssen wir aber auch – alle gemeinsam – verstehen lernen, dass wir die globalen Herausforderungendes 21. Jahrhundert niemals werden bewältigen können, wenn nicht – gleichermaßen im Norden wie im Süden –  immer mehr Menschen es sich zur höchstpersönlich eigenen Angelegenheit machen. Und dass die Betrachtung der Vergangenheit und Gegenwart immer auch Anlass geben sollte, Wege der gemeinsamen Zukunftsbewältigung  zu finden.

Es muss uns gelingen, dass beim Wort „Integration“ an die Notwendigkeit der Integration aller Menschen aus und in Nah und Fern in ein globales Zusammenwirken zur Abwehr eines gefährlichen Klimawandels (und ähnlicher globaler Herausforderungen) gedacht wird.

Das kann aber nicht heißen, sich mit der Verantwortung  Europas für die Zerstörung von Existenzgrundlagen weltweit nicht detailliert auseinander zu setzen. Das soll am Freitag, den 3.12. geschehen

Future-on-Wings e.V. und das Afrikahaus laden gemeinsam zu einem Workshop, an dem wir diese Fragen vertiefen wollen.

Fragen zur Ausstellung (ALP)TRAUM EUROPA in Bildern afrikanischer Jugendlicher

Faire Wirtschaftsbeziehungen

als gemeinsame Aufgabe

  • Neue Fischereiabkommen?
  • Billigimporte aus der EU
  • Biobaumwolle als Mittel nachhaltiger Süd-Nord-Beziehungen.

Freitag, den 3 Dezember 17:00 bis 20 Uhr

Afrikahaus, Bochumer Straße 25, 10555 Berlin

Adebari

Btw. Hatte nicht schon 2006 ein Star meinen Future-on-Wings Weg gekreuzt?

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